• Claudia Brose

Aufmerksamkeit für uns selbst und in der Unternehmenskultur für mehr Widerstand gegen Krisen



Katastrophen werden immer wieder passieren, ob regional oder weltweit. Wir werden nie komplett Krisen- oder Katastrophenfrei sein und können nicht auf jede Krise (Epidemien, Wald oder Buschbrände, Überschwemmungen, Wirtschaftskrisen) speziell vorbereitet sein, um uns sicherer zu fühlen.

Ja, wir werden uns soweit es geht, um Prozesse, Techniken, Werkzeuge und Wissenschaft kümmern, um eine gewisse Vorbereitung zu haben. Ebenso wichtig ist es aber auch, eine innere Sicherheit in uns selbst und bei den Menschen, mit denen wir zusammenarbeiten aufzubauen, so dass wir flexibler und stabiler durch unerwartete Situation navigieren.

Der Philosoph Epiktet erklärte, dass Widrigkeiten eine Person dazu bringen, sich mit sich selbst auseinandersetzen zu müssen. Denke bei jedem Unglücksfall daran, sagt er, dich dir selbst zuzuwenden und dich zu fragen, welche Macht in deiner Hand liegt, die du nutzen kannst, etwas an der Lage zu ändern.

Wie können wir unseren Geist und Einstellung für unerwartete Situationen besser vorbereiten?

Gelassenheit als Selbstschutz

Gelassenheit ist eine innere Einstellung, die dazu führt, klar zu denken und eine innere Ruhe zu bewahren.

Ein gelassener Mensch kennt sich selbst, seine Stärken und Schwächen und seine Werte und Lebenseinstellung. Das hilft ganz wesentlich, sich sicherer und stärker zu fühlen und ist somit wie ein Selbstschutz.

Gelassene Menschen können Belastungen sachlicher analysieren, gegenüber Schwierigkeiten eine distanziertere Haltung einnehmen und Sorgen besser loslassen. Wenn man gelassen ist, wird man sich nicht von momentanen Affekten oder brodelnden Emotionen überrollen und zu keinen kopflosen Handlungen treiben lassen,“ schreibt Prof. Dr. med. Reinhard Haller, Psychologe und Neurologe. „Aus einer gelassenen Position nimmt man Probleme genau wahr, unverfälscht durch starke Emotionen.“

Mit einer gelassenen Einstellung können wir Lebensschwierigkeiten besser bewältigen und Krisen eher überstehen.

Werkzeug, Verstand und Herz

Seit mehr als 40 Jahren untersucht der Autor und Speaker Laurence Gonzales , warum einige Menschen Unfälle und Katastrophen überleben und andere nicht.

Seine Erkenntnisse werden mittlerweile von den US Navy Seals und Management Schulen als Lehrstücke genutzt. Sein Leben lang ist er fasziniert von den Regeln des Lebens, vom Grenzbereich zwischen Überleben und nicht Überleben in scheinbar aussichtslosen Situationen (Wildnis, Flugzeugabstürze, Bergunfälle, etc.), der Bereich, in dem man ruhig und wachsam bleiben muss. Es ist ein Zusammenspiel von Kopf und Emotionen und die Prinzipien lassen sich auf sämtliche Lebenssituationen übertragen.

Seine Erkenntnisse aus 40 Jahren Unfallberichten, Gesprächen mit Überlebenden und aus modernen wissenschaftlichen Forschungen fasst er wie folgt zusammen:

Das Verrückte für die meisten von uns mit einer westlichen wissenschaftlichen Einstellung ist, dass es nicht das Werkzeug, die Technik oder das Wissen, das wir im Gepäck haben ist, was die Überlebenden von den nicht Überlebenden trennt. Es ist nicht einmal, was in unserem Verstand ist. So kitschig es klingt, es ist das, was in unserem Herzen ist.“

Mentale und innere Stärke

In den Fernöstlichen Philosophien spielen Gelassenheit und Vertrauen in sich selbst eine wichtige Rolle, um mit sich selbst und den Herausforderungen, denen wir begegnen, umzugehen. Beständig an unserem Selbst-Vertrauen zu arbeiten hilft uns, Vertrauen in unsere eigenen Fähigkeiten aufzubauen und mit Zuversicht dem entgegenzutreten, was immer sich uns in den Weg stellt.

Experience and depth of character are the source of a strong spirit”, heisst es im Kyudo, im Japanischen Bogenschießen, eine der Kampfsportdisziplinen, die ich extrem schätze und selbst mehrere Jahre praktizierte. Wenn der Geist schwach ist, wird das Schießen (des Pfeils) stumpf und oberflächlich. Man solle wie ein tief fließender Fluss sein, ruhig und stabil an der Oberfläche aber mit einer enormen Kraft im Inneren verborgen und nicht wie ein kleiner Bach, der zwar aufgrund seines lauten Geplätschers einen kraftvollen Eindruck vermittelt, im Vergleich aber sehr schwach ist.

Es ist ein lebenslanger Prozess an seiner mentalen Stärke zu arbeiten und selbst Kyudo Meister im hohen Alter hören nie auf, ihre mentale Stärke und Gelassenheit stetig zu verfeinern.

Emotionale Ausgeglichenheit und innere Sicherheit

So wie die alten Meister ihren Schülern auf dem Weg helfen, haben Führungskräfte die Aufgabe, die mentale und emotionale Stärke ihrer Mitarbeiter zu fördern. Wer im Rahmen seiner Unternehmensphilosophie seine Aufmerksamkeit auf seine Mitarbeiter richtet, wird auch in Krisenzeiten besser gewappnet sein. Bewusste Unternehmensführung.

Aus der Betrachtung anderer Führungskräfte und aus seinen eigenen Erfahrungen teilt Bill Gates folgende Ideen, um Mitarbeiter zu fördern und zu stärken.

Mitarbeiter stehen immer an erster Stelle. Diese Haltung gilt nicht nur jetzt in dieser „ver-rückten“ Zeit, sondern sollte immer gelten. Viele Unternehmen haben bereits verstanden, wenn sie das Wohl der Mitarbeiter an erste Stelle setzen, sind die Mitarbeiter zufrieden und setzen sich für die Firma ein. Das bedeutet sie kümmern sich besser um die Kunden und tragen somit zum Wachstum des Unternehmens bei.

Wenn du nach Lösungen für Probleme suchst, höre dich bei deinen Mitarbeitern um. Menschen mit genialen Ideen finden sich überall, sehr oft direkt im eigenen Unternehmen. Die Mitarbeiter bei der Suche nach neuen, kreativen Ansätzen miteinzubeziehen, motiviert die Teams, baut Vertrauen auf und zeigt Wertschätzung und Respekt für die Menschen im Unternehmen.

Gemäß einer Studie investieren die Top 5 Prozent der digitalen Führungskräfte ein Drittel mehr als andere Firmen in die digitale Infrastruktur ihres Unternehmens. 77 Prozent von ihnen berichten, dass sie danach eine gesteigerte Mitarbeiterzufriedenheit feststellten.

Wer Spaß und Flexibilität im Arbeitsumfeld ermutigt, entwickelt einen Sinn für Gemeinschaft und Teamwork unter den Mitarbeitern, insbesondere wenn sie von zu Hause aus arbeiten, also remote working betreiben. Teamleaders nutzen Video, um virtuelle Kaffee- oder Mittagspausen zusammen zu verbringen.



Transparenz und Austausch

Mark Cuban, amerikanischer Unternehmer und Investor sowie Besitzer der National Basketball Association's Dallas Mavericks, hat in einem Live Interview mit Salesforce diese Woche seine Erkenntnisse und Ratschläge geteilt, wie Unternehmen, insbesondere Klein-Unternehmer, in Krisenzeiten agieren können. Viele Einstellungen und Verhaltensformen, die Mark Cuban beschreibt sollten Unternehmen eigentlich immer im Auge behalten, egal ob gute oder schlechte Zeiten.

Er nennt 3 grundlegende Aspekte, die er für Unternehmer als entscheidend ansieht:

  • transparent sein,

  • die Kommunikation in alle Richtungen pflegen,

  • offen und ehrlich sein mit seinen Mitarbeitern, Lieferanten oder Dienstleistern, insbesondere in Zeiten großer Herausforderungen oder Krisen.

Diese Verhaltensformen helfen, das Unternehmen und seine Menschen flexibel und widerstandsfähig zu halten.

Um auf neue Lösungen zu kommen, gerade in Krisenzeiten, sollten wir auf Märkte, Orte, Menschen oder Kundensegmente achten, denen wir normalerweise keine Aufmerksamkeit schenken. Hier können sich oft neue, größere, alternative Möglichkeiten finden. Kommunikation und Flexibilität kann allen Beteiligten helfen, sich weiter zu entwickeln. „Doing well by doing good“, fasst Mark zusammen.

Menschliche Beziehungen zu pflegen, ob mit den Mitarbeitern, Kunden oder Dienstleistern des Unternehmens, ist immer die stärkste Basis für positive geschäftliche Entwicklungen. Transparenz, Kommunikation und Offenheit geben ein Gefühl von Sicherheit und Vertrauen und erhalten die Beziehung, auch wenn das Unternehmen einer Krise ausgesetzt ist.

Aufmerksamkeit für uns selbst und in der Unternehmenskultur

Aufmerksamkeit für sich selbst und Aufmerksamkeit anderen gegenüber bedeutet die Fähigkeit, sich um sich und um seine Mitmenschen kümmern zu können, freundlich, respektvoll und empathisch zu sein.

Eine aufmerksame Unternehmenskultur hat eine psychologische Schutzfunktion und wer im Rahmen seiner Unternehmensphilosophie seine Mitarbeiter schätzt, anerkennt und integriert, fördert ihre Zufriedenheit und Vertrauen in das Unternehmen und verankert ein Gefühl der Sicherheit. Teamwork, gegenseitiges Verantwortungsbewusstsein und ein emotionales Miteinander helfen dann auch in Krisenzeiten.

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