• Claudia Brose

Aufmerksamkeit ist ein lächelndes Aas





Wem eigentlich gehört unsere Aufmerksamkeit? Uns selbst oder denen, die einen Haufen Geld daran verdienen?

Von morgens bis abends ist Aufmerksamkeit unser Begleiter und sie kann unser bester Freund oder unser schlimmster Feind sein.

Wir können sie für uns behalten, sie uns zunutze machen oder sie abgeben an die, deren Job es ist, uns ständig unserer Aufmerksamkeit zu berauben.

Your Choice.

Die Ressource in deiner Hand

Aufmerksamkeit ist deine persönliche Ressource. Und sie ist limitiert. Wie deine Gesundheit ist sie ein wertvolles Gut. Es liegt an dir, wie du mit ihr umgehst - mit deiner Gesundheit und mit deiner Aufmerksamkeit.


Deine Aufmerksamkeit ist dein persönlicher Goldschatz. DU entscheidest, wem du davon was abgibst.

Die Aufmerksamkeit ist dein Freund, wenn sie dir hilft, dich auf deine Aufgaben zu konzentrieren, deinem Gegenüber besser zuzuhören, dich auf ein Problem zu fokussieren. Wenn du dem Freund Aufmerksamkeit die Oberhand gewähren lässt schaust du am Ende des Tages zufrieden darauf zurück, wie du deine Zeit verbracht hast.

Ökonomie der Aufmerksamkeit

Du kannst auch deine Aufmerksamkeit aus der Hand geben und dich auf die Verführungen einlassen, durch Soziale Medien zu scrollen und endlos Nachrichten zu konsumieren. Das freche, raffinierte Aas, auch unter dem Namen Ablenkung bekannt, gewinnt und bringt dich um deine Selbstdisziplin, Belohnungsaufschub und harte Arbeit. Sie manipuliert dich, führt dich an der Nase herum, zieht dir Geld aus der Tasche und unterstützt dich dabei, jede Ausrede als gültig und gerechtfertigt anzusehen. Du hast deinem Kind nicht richtig zugehört? Dafür hast du aber doch durch die Kinderbilder deiner Freunde auf Facebook gescrollt! Du hast den Bericht nicht fertig geschrieben? Dafür hast du aber spannende Berichte Online gelesen.

Das lächelnde Aas

Wenn sich die Aufmerksamkeit gegen dich wendet, ist sie durchtrieben, gemein und niederträchtig. Sie will dich mit all ihrer Kraft gewinnen. Da draußen herrscht ein Krieg um deine Aufmerksamkeit. Firmen digitaler Technologien, Werbung und Nachrichten Medien kämpfen um deine begrenzte Ressource Aufmerksamkeit.


Lässt du deine Aufmerksamkeit wandern, schnappen Facebook & Co zu und machen ihr Geld mit deiner Aufmerksamkeit. Bei Facebook und Youtube durch Anzeigen, bei Google durch Klicks und so weiter. Die sofortige Belohnung hat dich auf ihre Seite gezogen. Das lächelnde Aas hat gewonnen.

Sofortige Belohnung

Die sofortige Belohnung ist das Lockmittel der Aufmerksamkeit, die dich ablenken will. Die Entwickler der Applikationen haben sich genau mit der Psyche der Menschen auseinandergesetzt, um Apps zu entwickeln, die uns fesseln, weil sie die richtigen Auslöser und Mechanismen enthalten, damit wir unsere Aufmerksamkeit nur dem Summen, Biepen, Scrollen, Klicken und Swipen schenken. Ihr Job ist es, möglichst viel unseres Aufmerksamkeitspotenzials abzuschöpfen. Eine Armee bezahlter Ablenkungs-Soldaten.

Der Ablenkung trotzen

Was aber, wenn wir uns der lächelnden Aufmerksamkeit, die uns ablenken will, bewusstwerden und erkennen, zu was wir uns verführen lassen? Dann kommen womöglich Ärger und Unzufriedenheit hoch, was uns hoffentlich dazu führt, gegen die Ablenkungen zu rebellieren. Bewusstsein und Selbstdisziplin machen sich breit und das passt der ablenkenden Aufmerksamkeit gar nicht. Das sind ihre Feinde.

Die Kraft der Aufmerksamkeit

Unsere Aufmerksamkeit ist begrenzt. Das macht sie so wertvoll und alle reißen sich um das wertvolle Gut.

Aufmerksamkeit hat aber keine eigene Kraft. Jegliche Stärke, die sie an den Tag legt, kommt von uns. Wir füttern sie mit dem Drang nach Ablenkung oder mit der Disziplin für Fokus. Kontrollieren und meistern wir die verführerischen Ablenkungen, dann besiegen wir den Teil unserer Aufmerksamkeit, der uns von den Medien und Märkten ständig geraubt werden will.

Ständig erleben wir einen inneren Kampf von Kräften, die uns in verschiedenen Richtungen zerren. Der innere Schweinehund kämpft gegen die Disziplin, im Regen die Joggingschuhe anzuziehen. Das schlechte Gewissen, die Mutter nicht zu besuchen diskutiert mit der Rationalität, dass die Arbeit doch wichtiger sei. Das Team Ärger, Neid, Angst und Selbstmitleid kämpft gegen das Team Freude, Gelassenheit, Dankbarkeit und Wahrheit. Welche Seite in dir gewinnt? Immer die Seite, die du fütterst.


Wie können wir uns gegen das lächelnde Aas wehren?

#1 Was ist deine Motivation und Begeisterung?

Damit ein Buch, eine Aufgabe, ein Gespräch unsere Aufmerksamkeit so lange halten kann, dass wir uns tatsächlich in der Aufgabe verlieren, und keine Ablenkung uns verführen kann, muss die Aufmerksamkeit sich mit unserer Motivation und Begeisterung verbinden. Dann kann die Aufmerksamkeit, die uns fokussieren und konzentriert arbeiten oder zuhören lässt, ihre Kraft entfalten. Wie bei Kindern, die spielen und die Zeit und Welt um sich herum vergessen. Ihre Begeisterung, Faszination und Aufmerksamkeit verschmelzen miteinander. Weißt du, wofür dein Herz schlägt? Wofür du dich begeistern kannst, was dich motiviert?

#2 Schluss mit: Ich verpasse was! (Fear Of Missing Out, FOMO)

Wenn wir unsere Aufmerksamkeit zurückerobern möchten, müssen wir bereit sein, auch mal etwas zu verpassen. Es besteht sicherlich das Risiko, dass wir einen wichtigen Telefonanruf oder eine Nachricht versäumen, wenn wir unseren Konsum an Informationen und Sozialen Medien Streams bewusst reduzieren und unsere Aufmerksamkeit anders einsetzen. Ist das wirklich so schlimm?

Matthias Horx, Gründer des Zukunftsinstituts hat dazu folgenden Gedanken: Ist es nicht die höchste Freiheit, wenn man etwas ignorieren kann? Wir leben in einer Aufmerksamkeits-Gesellschaft. Jeder sollte für sich im Klaren darüber sein, was für ihn wesentlich ist. Wie wäre es, wenn wir eine Ignorierungskompetenz entwickeln? Das wäre doch Freiheit.

#3 Dein Ziel: Kontrolle, nicht Abstinenz!

Digitaler Detox, News Verzicht und Digital Wellness, wie die Schlagworte mittlerweile heißen, sind Initiativen, die uns helfen sollen, unsere Aufmerksamkeit wieder auf das Wesentliche in unserem Leben zu lenken. Das sind sicherlich gute erste Schritte, aber letztendlich ist die digitale Welt Teil unseres Lebens und wird es weiterhin sein. Es geht also eher darum eine bewusste und vernünftige Balance zu entwickeln. Entscheidend ist, selbst die Kontrolle zu übernehmen, wo wir unsere Aufmerksamkeit hinlenken.

So, wie wenn du Junk-Food aus deiner Ernährung weglässt und feststellst, dass du dich viel besser fühlst, wirst du dich auch fühlen, wenn du die ständigen Unterbrechungen und Ablenkungen weglässt.

Schaffen wir es, uns unserer wertvollen Ressource Aufmerksamkeit bewusst zu machen und die Kontrolle über sie zu behalten und zu unserem Vorteil einzusetzen – erhalten wir einige Belohnungen:

  • Mehr Zeit (Nach jeder Ablenkung braucht unser Gehirn 20-25 Minuten, um sich wieder zurück auf die Sache zu konzentrieren, an der wir vor der Ablenkung gearbeitet haben). Offensichtlich ist die Zeit, die wir nicht mit Ablenkungen verbringen, gewonnene Zeit für wichtige Aufgaben, für Menschen und Zeit für uns selbst).

  • Bessere Konzentration

  • Die Angst, etwas zu verpassen (FOMO, Fear Of Missing Out), verrinnt wie Sand in einer Hand

  • Weniger Depressionen und Einsamkeitsgefühle

  • Die wertvolle Gabe zuzuhören

  • Bye-Bye Oberflächlichkeit, Welcome mehr Tiefgang

#4 Wirf die Opferrolle ab!

Der Teil deiner Aufmerksamkeit, der dich zur Ablenkung rüber lotst, freut sich, wenn du dich der Opferrolle hingibst. Damit gibst du die Verantwortung an die ab, die über deine Aufmerksamkeit herrschen möchten. Du schwelgst in der passiven Rolle, die soviel einfacher ist, als die aktive. Die anderen sind schuld, nicht ich! Ich bin nur das Opfer äußerer Kräfte, der vielen wichtigen Ablenkungen, die doch auch Beachtung brauchen. Wir können uns gehen lassen und Ausreden rechtfertigen. Oder wir können unsere Souveränität über unsere Entscheidung behalten, über die Auswahl, die sich uns bietet, über das, was eigentlich für uns wichtig ist.





Wem gehört deine Aufmerksamkeit?

Unsere Aufmerksamkeit ist eine wertvolle Ressource, die wir bewusst zu unserem Vorteil einsetzen oder verschwenderisch und nutzlos vergeuden können. Richten wir unsere Aufmerksamkeit auf unsere Aufgaben, die erledigt und Herausforderungen, die gelöst werden müssen, setzen wir sie in einer Art und Weise ein, die uns am Ende des Tages nicht mit Ärger, sondern mit einem zufriedenen Lächeln auf uns und den Tag zurückblicken lässt.

Wie begegnest du dem lächelnden Aas Aufmerksamkeit? Lässt du dich von ihr manipulieren oder lässt du sie auflaufen und du behältst die Kontrolle in deiner Hand?



Wenn du mehr Informationen und Inspirationen zum Umgang mit deiner Aufmerksamkeit erhalten möchtest – trage dich für den Newsletter Master Your Attention ein >>>




photocredit Bild 1: John McDermott | Bild 2 Rawpixel on Unsplash

  • Connect with me on LinkedIn
  • Find me on Facebook
  • Get inspired on Instagram
  • Twitter

Impressum         Datenschutz         Kontakt

© 2018 Claudia Brose