• Claudia Brose

Aufmerksamkeit und Achtsamkeit. Was ist der Unterschied?


Achtsamkeit. Mindfulness. Und jetzt komme ich auch noch mit Aufmerksamkeit. Ist das das Gleiche, oder nur ein anderes Wort oder was soll jetzt noch ein Aufruf zur Aufmerksamkeit? Meine Aufmerksamkeit ist doch eh schon an allen Ecken und Enden gefragt, sagst Du Dir wahrscheinlich.


Was bedeutet Aufmerksamkeit, und was bedeutet Achtsamkeit? Gibt es überhaupt einen Unterschied und ist es relevant, zwischen diesen Begriffen zu unterscheiden?


Achtsamkeit ist überall


Zunächst einmal zum Thema Achtsamkeit. Achtsamkeit ist in aller Munde. Es gibt Magazine, Kurse, Apps, Verhaltenstipps-Listen, Literatur zur Achtsamkeit. Achtsamkeit kommerzialisiert? Das könnte man so sehen, aber es zeigt auch, wie sehr das Thema die Menschen zu beschäftigen scheint. Es sieht so aus, dass eine „allgemeine Sehnsucht, ja ein Hunger nach etwas schwer Fassbarem herrscht, das wir für ein erfülltes Leben zu brauchen scheinen.“ So schreibt Jon Kabat-Zinn, emeritierter Medizin Professor und Gründer des Mindfulness-Based Stress ReDuction (MBSR) Programms, das Thema Achtsamkeit. Im Wesentlichen will Achtsamkeit ausdrücken, im Hier und Jetzt präsent zu sein und uns mehr auf uns selbst zu besinnen. Mehr „anwesend“ zu sein, ein fokussiertes Bewusstsein für den Moment zu entwickeln.


Matthias Horx, Gründer des Zukunftsinstituts, beschreibt Achtsamkeit wie folgt:

„Achtsamkeit heißt, dass wir in einer überfüllten, überreizten, überkomplexen Welt lernen müssen, uns auf neue Weise auf uns selbst zu besinnen."

ACHTSAMKEIT betont also die Präsenz im Moment und die Besinnung auf uns selbst.


Wie sieht es mit AUFMERKSAMKEIT aus?


Wie soll ich mir Aufmerksamkeit vorstellen?


Kurz ausgedrückt: Sich auf den richtigen Kram fokussieren. Focus on the right stuff.


Wie sind uns wahrscheinlich generell einig, dass Aufmerksamkeit bedeutet, sich auf etwas zu konzentrieren, seine Aufmerksamkeit einer Sache, Person oder Situation zu schenken. Idealerweise, ohne sich dabei ablenken zu lassen. Sind wir aufmerksam, dann sind wir gesammelt, konzentriert, vertieft, interessiert, unabgelenkt, hellhörig und wachsam. Genial. Klappt leider nur selten. Weil wir ständig abgelenkt werden.


Dabei ist Aufmerksamkeit eine wichtige Fähigkeit im Alltag, im Straßenverkehr und im Beruf. Umso weniger wir uns zum Beispiel im Straßenverkehr ablenken lassen und aufmerksam den Verkehr wahrnehmen, umso größer ist die Chance, dass wir aus dem Wirrwarr aus visuellen und auditiven Reizen wieder heil herauskommen. Aufmerksamkeit wird in der Neuropsychologie beschrieben als die Fähigkeit, „aus den vielfältigen Reizangebot der Umwelt einzelne Reize oder Reizaspekten auszuwählen und bevorzugt zu betrachten, andere dagegen zu übergehen und zu unterdrücken“ (Lexikon der Psychologie). Wir betrachten also bevorzugt die Ampel und die Oma auf der Straße und unterdrücken die Versuchung, die ach-so-wichtige Textmessage auf dem Handy sofort zu beantworten. Oder zumindest wäre das wünschenswert.


Trend, Lebenskonzept oder Fähigkeit?


Aufmerksamkeit und Achtsamkeit.

Die beiden Begriffe und ihre Bedeutungen kommen sich also sehr nahe. Feinheiten und Perspekive machen sie verschieden.


Achtsamkeit wird oft noch als momentaner Trend belächelt. „Das Praktizieren von Achtsamkeit ist mehr als eine Idee, mehr oder weniger oberflächlich dahingesagt nach dem Motto: ‚Na klar, ich werde in meinem Leben präsenter sein und weniger urteilen, und dann wird alles besser. Warum bin ich nicht schon früher darauf gekommen?‘ Gedanken dieser Art sind meist flüchtiger Natur und entfalten nur in seltensten Fällen eine nachhaltige Wirkung“, so Jon Kabat-Zinn.


Auch Matthias Horx vertritt die Ansicht, dass Achtsamkeit kein Trend sondern eine Bewegung ist, die die Gesellschaft verändern wird. Sie ist Teil veränderter Lebenskonzepte. Sein Zukunftsinstitut, so wie mittlerweile viele weitere Institute und Forschungsgruppen, untersuchen das Phänomen und Konzept Achtsamkeit.


Es möchte vielleicht nicht jeder Deine Achtsamkeit, aber Deine Aufmerksamkeit wollen alle.

Die Firmen, die Werbung, die Verkäufer, die Familie, die Kinder, die Kollegen, die Freunde, der Verkehr, die Umwelt, der Gesprächspartner. Somit schnippeln wir unsere offensichtlich heiß begehrte Aufmerksamkeit immer kleiner, um jedem was davon abzugeben. Wir schaden damit unserer Konzentration, Fokus, Produktivität und persönlichen Sicherheit. Und die ganz Raffinierten, wie die Nachrichten, Werbe- und Social Media Industrie, wissen, wie sie sich unserer Aufmerksamkeit bemächtigen und sie manipulieren, die haben unsere Psychologie genau studiert. Zu ihren Gunsten. Nicht zu unseren.


Unsere Fähigkeit, aufmerksam zu sein, also Reizaspekte auszuwählen und bevorzugt zu betrachten, geben wir ab in die nicht-wohlwollenden Hände der permanenten Ablenker. Amy Herman, Autorin und Gründerin von The Art of Perception, ist der Ansicht, dass die andauernden „byte-sized“ Ablenkungen neben bereits genannten Nachteilen auch unserer Intelligenz schaden.


Aufmerksamkeit als Verhaltensform und Einstellung


Aufmerksamkeit bedeutet auch, höflich, nett, zuvorkommend, hilfsbereit oder rücksichtsvoll zu sein. „Wie aufmerksam von Dir! Danke!“. Wenn wir aufmerksam sind, dann sind damit eine Menge guter Verhaltensformen verbunden, die uns helfen, zu überleben, effektiver zu arbeiten, schöner zu leben und das Zwischenmenschliche positiver zu gestalten.


„Aufmerksamkeit basiert auf Offenheit, Interesse, zwischenmenschliche Sensibilität und Einfühlungsvermögen“,

schreibt Prof. Dr. Reinhard Haller in seinem Buch „Das Wunder der Wertschätzung“. Und genau DAS brauchen wir in einer Welt, die zwar durch die digitale Entwicklung viele Vorteile hat, aber die Menschlichkeit und Empathie erhalten wir nur, indem wir unsere Aufmerksamkeit auf wesentliche menschliche und emotionale Faktoren lenken.


Ob Du achtsam und/oder aufmerksam bist, ist Deine Entscheidung, beziehungsweise sollte Deine Entscheidung sein. Wenn Du Deine Achtsamkeit nicht teilst, beschwert sich keiner. Teilst Du oder schenkst Du nicht etwas oder jemanden Deine Aufmerksamkeit sind die Werbetreibenden, die Social Media Aktiven, die Kinder, der Partner, die Angestellten sauer.


Was macht Aufmerksamkeit so wertvoll?


Wenn sich die Leute um etwas reißen, dann ist es meistens, weil es einen Wert hat. Das "etwas", in diesem Fall die Aufmerksamkeit, ist kostbar, erstrebenswert, hochwertig, nützlich. Darüber hinaus ist Aufmerksamkeit eine der grundlegendsten Leistungen des Gehirns, denn sie ist unerlässlich. Eine wertvolle und unerlässliche Ressource also, die aber, wie die meisten Ressourcen, begrenzt ist. Wir haben nicht unendliche Mengen an Aufmerksamkeit.


Paul Dolan, der Autor von “Happiness by Design”, behauptet: Glück ist nichts anderes als die “Allokation von Aufmerksamkeit”. Das wäre also die Zuordnung der beschränkten Ressource Aufmerksamkeit auf bestimmte Situationen und Menschen.


Aufmerksamkeit ist etwas, was uns tagtäglich „geraubt“ wird. Es fällt uns schwer, unsere Aufmerksamkeit unter Kontrolle zu halten und zu unserem Vorteil zu nutzen und zuzuordnen, weil die Nachrichten Attacken, sozialen Plattformen, Auswahl an Kommunikationskanälen und aggressive Werbung permanent unsere Aufmerksamkeit in Beschlag nehmen.


Wir sollten also bewusst entscheiden, wem und was wir unsere Aufmerksamkeit schenken wollen. Sagt sich leichter als getan. Aber deswegen arbeiten wir ja hier bei Master Your Attention für Dich daran.


Keine Zeit, keine Aufmerksamkeit


Wir jammern ständig, dass wir nicht genug Zeit haben. Und sich für eine Sache oder Person Zeit zu nehmen heißt, dieser Sache oder Person seine Aufmerksamkeit zu schenken. Keine Zeit bedeutet, wir verwenden nicht viel Aufmerksamkeit. Sich Zeit zu nehmen, bedeutet, dass wir mehr Aufmerksamkeit geben. Und ohne Geben, werden wir nichts erhalten.


„Nur wer in der Lage ist, unterschiedliche Sichtweisen zu erkennen und andere Perspektiven wahrzunehmen, wer zwischen unterschiedlichen mentalen Räumen hin und her wandern kann, wird ein aufmerksamer Mitmensch oder ein guter Gesprächspartner sein“,

erklärt Prof. Dr. Reinhard Haller.


Aufmerksam sein heißt beobachten, aufpassen. Das hilft uns, eine Vielfalt und Tiefe zu erleben und Dinge zu sehen, die wir vorher nicht bemerkt haben. Gehen wir bewusster an Sachen heran, dann öffnen sich neue Welten, wir erkennen Zusammenhänge. Das ist der Moment wo es spannend wird, denn dann eröffnen wir tausend neue Möglichkeiten und eine Idee, Meinung, Dinge bekommen eine neue Dimension.


Was nutzt mir Aufmerksamkeit und/oder Achtsamkeit?


Achtsamkeit hilft, das Leben bewusst zu erleben, während es sich entfaltet und um präsent und ruhig zu bleiben und unseren Fokus auszurichten.


Aufmerksamkeit ist eine Energiequelle, an der täglich rumgezerrt wird, als sei sie eine unendliche Ressource, an der sich jeder bedienen kann. Sie ist aber endlich. Warum gehen wir so großzügig und verschwenderisch mit unserer Aufmerksamkeit um? Wäre es nicht sinnvoller, die Kontrolle über unsere Aufmerksamkeit zu behalten und sie effektiver einzusetzen? Denn eine bewusste Aufmerksamkeit auf das Wesentliche führt zur Vertiefung zwischenmenschlicher Beziehungen, zu Klarheit im Denken zu weniger Oberflächlichkeit und zu mehr Glück und Sinn.


Aufmerksamkeit ist eine Fähigkeit, die es sich lohnt, zu meistern.

Wie? Dazu mehr in den nächsten Blogartikeln und Newslettern....


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Photocredit © John McDermott



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