• Claudia Brose

Du bist der erste Schritt in der Kette – Bewusstseinsveränderung in Unternehmen


photo © Sabine Schule on Unsplash

Du bist der erste Schritt in der Kette – Bewusstseinsveränderung in Unternehmen

Die 2020 Wisdom 2.0-Konferenz in San Francisco produzierte und kreierte so viele Informationen, Ideen und Anregungen, wie wir bewusst mit uns selbst und anderen sowie mit unserem Geschäftsabläufen umgehen können, dass du den Eindruck hattest, dass sich in der Unternehmenswelt gerade viele „Bewusstseins“-Veränderungen vollziehen. Ein Bewusstsein hin zu mehr Menschlichkeit, Kooperation und Sinnhaftigkeit in der Unternehmenskultur. Es war inspirierend zu sehen, wie eine riesige Community (diese Konferenz begann vor über 10 Jahren) zusammenkam, gemeinsam lernte und sich motivierte. Obwohl wir durch die neuen Technologien irgendwie alle miteinander verbunden leben, sind „reale“ Begegnungen wichtig und es besteht ein wachsender Wunsch, die digitalen Technologien so zu nutzen, dass sie unserem Wohlbefinden dienen, eine kooperative Arbeitsweise unterstützen und der Welt zu mehr sozialen und humanen Lebensformen verhelfen. Mein Fokus lag auf Präsentationen und Diskussionen, die sich um die Schnittstelle zwischen Aufmerksamkeit und Business drehen. Im Folgenden gebe ich einige Informationen und Anregungen zu Werten im Unternehmensverhalten, neuen Herausforderungen für Führungskräfte und Input, den ich zu mehr Aufmerksamkeit am Arbeitsplatz und im Bereich des digitalen Wohlbefindens gesammelt habe.




Unternehmertum mit Aufmerksamkeit


Verändere dein Unternehmen von innen nach außen. Dies war ein roter Faden in allen Präsentationen und Diskussionen auf der Wisdom 2.0-Konferenz 2020.

Welche Rolle spielt dein Unternehmen? Schaust du auf das langfristige Wohl oder auf den kurzfristigen Gewinn? Wir sind darauf konditioniert, den "möglichen Verkauf", den „potential sale“ vor Augen zu haben und unsere Aufmerksamkeit ist meistens auf kurzfristige Gewinne gelenkt. Dabei wird vergessen, dass es eigentlich um den Mehrwert geht, den du schaffst und zur Gesellschaft beiträgst – damit rückt der Fokus auf das langfristige Wohl des Unternehmens und damit auf das Wohl der Mitarbeiter und der Kunden. Wo ist deine Aufmerksamkeit? Wohin willst du in naher Zukunft deine Aufmerksamkeit hin ausrichten?

Viele Unternehmen betrachten ihr Geschäft als „Transaktionsoperation“, anstatt es als „Personenoperation“ mit menschlichen Beziehungen zu betrachten. Ohne die menschliche Interaktion zwischen Führungskräften und Teams, zwischen Mitarbeitern und Kunden des Unternehmens gibt es keine Geschäftstätigkeit.

In einer in Harvard Business Review veröffentlichten Umfrage unter 1.000 Führungskräften gaben 80% an, dass sie ihr Mitgefühl verbessern möchten, aber nicht wissen, wie. Mitgefühl ist gemeint im Sinne der Absicht, zum Glück und Wohlbefinden anderer beizutragen. Eine mitfühlende Führungskraft hat das ehrliche Interesse, seine Mitarbeiter nicht nur zur Leistungs- und Gewinnerbringung anzutreiben, sondern sie zu fördern und weiterzuentwickeln.

Veränderungen beginnen mit ersten kleinen Schritten


Wenn du die Einstellung und das Bewusstsein in deinem Unternehmen oder deiner Gemeinde verändern möchtest, beginne zuerst mit dir selbst und im nächsten Schritt führst du in kleinen Schritten deine Idee der Bewusstseinsveränderung am Arbeitsplatz ein. Mit der Zeit werden die Veränderungsprozesse ihre Wirkung zeigen. Du bist der erste Schritt in der Kette

Verändere zuerst dein eigenes Bewusstsein und dies wird sich bei den anderen bemerkbar machen. Sie werden es sehen, fühlen, wahrnehmen und darauf reagieren. Sie werden sich wundern und dich fragen, warum du gute Laune hast, warum Dinge bei dir klappen, warum dir Sachen zufliegen, warum du in der Lage bist, Situationen in eine gewünschte Richtung zu verändern. Andere werden die Auswirkungen deiner positiven und veränderten Einstellung wahrnehmen. Auf diese Weise kannst du deine Kollegen und Teammitglieder inspirieren und sie ermutigen, mehr über Wertschätzung im Arbeitsumfeld von dir zu erfahren.

Klein anfangen Beginne mit kleinen Gruppen, Aktivitäten, Projekten, die deine Kollegen und Unternehmensmitglieder dazu inspirieren, eine bewusstere und wertschätzendere Denkweise für ihren Arbeitsplatz zu entwickeln. Das kann sich zu einer stetig wachsenden Bewegung entwickeln.

Du musst nur anfangen, die ersten Samen zu säen. PRAKTISCHE TIPPS:


  • Hilah arbeitet bei der bekannten Designfirma IDEO und ist begeistert von Achtsamkeitsprinzipien und Konzepten zur Aufmerksamkeit. Sie hat angefangen, während Pausenzeiten am Arbeitsplatz kurze Meditationssitzungen anzubieten. Die Nachfrage wurde mit der Zeit immer stärker.

  • Sie erzählte interessierten Teammitgliedern, was sie über die positiven Auswirkungen von Achtsamkeit weiß, wie ihr das Wissen und das Managen ihres eigenen inneren Zustandes dazu verhilft, Stress, Angst und mangelnde Konzentration bei der Arbeit zu reduzieren.

Neue Führungskräfte: Herausforderungen und Erfolge im Umgang mit Achtsamkeit und Wohlbefinden am Arbeitsplatz


Es gibt eine wachsende Nachfrage nach Programmen, die Menschen helfen, Stress abzubauen, sich selbst und anderen bewusst mehr Aufmerksamkeit zu schenken, ihren Sinn und Wohlbefinden im Arbeitsumfeld zu finden. Viele Mitarbeiter sind es leid von unkooperativen und hinterhältigen Verhaltensformen umgeben zu sein und ungeschickter Kommunikationen und Klatsch ausgesetzt zu sein. Studien haben gezeigt, dass Mitarbeiter bessere Leistungen erbringen, wenn sie sich an ihrem Arbeitsplatz sicher und geschätzt fühlen. Bessere Leistung führt zu besseren Ergebnissen als Unternehmen - und Führungskräfte und CEOs sehen, wie sich diese Vorteile und Ergebnisse inzwischen auch in den Unternehmensergebnissen widerspiegeln.

Emotionale Intelligenz, Empathie, Soft Skills und Achtsamkeit sind heute Aspekte, die langsam offen diskutiert und als Erfolgsfaktoren in Unternehmen angesehen werden. Die Akzeptanz dafür muss noch viel stärker wachsen. Wertschätzender und aufmerksamer Umgang in Unternehmen ist eine Haltung, die umgesetzt werden muss. Es geht darum, eine Kultur der Menschlichkeit und eine authentische Art und Weise zu schaffen, wie sich ein Unternehmen verhält.

Wie kann ein Unternehmen eine Brücke schlagen zwischen Achtsamkeit im Unternehmen und seinem Umsatzzielen? Vielleicht braucht es ein Umdenken: Es geht nicht um Profit. Es geht um Menschen, um menschliche Interaktion und darum, sich um das Wohl der Mitarbeiter und der Kunden zu kümmern.

„Das alte Geschäftsmodell ,Alles auf Profit‘ hat den Anschluss an die Gesellschaft und unsere Welt verloren", beschreibt auch Frank Dopheide, ehemaliger Deutschlandchef der internationalen Werbeagentur Grey, und ehemaliger Sprecher der Geschäftsleitung des „Handelsblatt“. Eine neue Art von Führungskräften ist gefragt.

Was macht eine gute Führungskraft aus? Emotionale und soziale Intelligenz. Neue Führungskräfte sind Menschen, die ihren Teammitgliedern helfen, herauszufinden, was ihre Stärken sind und womit sie am besten einen Beitrag zum Team und Unternehmen leisten können. Gute Führungskräfte fördern Offenheit und Zusammenarbeit. PRAKTISCHE TIPPS:

Sounds True, Colorado/USA

  • Für Tami Simon, Gründerin von Sounds True, geht es darum, eine Kultur der Wertschätzung zu schaffen. Zum Beispiel beenden sie jedes Meeting mit einer Dankesrunde. Jeder kann in der Runde gegenüber einem Kollegen oder Teamleiter etwas ausdrücken, das er positiv bemerkt hat, etwas, für das er sich bei jemandem bedanken möchte und so weiter.

  • Tami ermutigt in einer Besprechung oder Diskussion etwas zu benennen, was niemand benennen möchte. "Was haben wir unter dem Tisch?" Es ist eine Herausforderung. Aber es trägt zu Offenheit und Transparenz bei.

  • „A Good Minute“ - Tara Simon hat zu Beginn eines Meetings eine 1-Minute-Moment Regel implementiert. Für 1 Minute lang einfach ruhig sein bevor man sich ins Meeting stürzt. Macht eine Pause für 1 Minute. Es hilft, den Kopf frei zu kriegen, ein paar tiefe Atemzüge zu machen, einen Schritt zurückzutreten und mit Abstand die anstehenden Diskussionspunkte zu betrachten.


Digitales Wohlbefinden: Werte, Ethik und Lebensziele mit digitaler Technologie in Einklang bringen

Können wir Werte, Ethik und Lebensziele mit der digitalen Technologie und unserer technischen Weiterentwicklung in Einklang bringen? Online- und Offline-Aktionen werden immer verstrickter miteinander. Können wir die digitalen Medien so konstruieren, dass sie eine optimale Gesundheit, Wohlbefinden und „echte“ soziale Kontakte unterstützen? Können wir die menschlichen Beziehungen und das Wohlbefinden der Menschen durch die Vereinbarkeit von Technologie und Leben verbessern? Google hat ein Digital Wellbeing-Programm entwickelt. Dabei geht es darum, "ein Gleichgewicht mit der Technologie zu finden, das sich für dich richtig anfühlt".

„Da Technologie für alles, was wir tun, immer wichtiger wird, kann sie uns manchmal von den Dingen ablenken, die eigentlich für uns wichtiger sind. Wir glauben daran, dass Technologie das Leben verbessern kann und uns nicht vom Leben ablenken sollte. Wir sind bemüht, jedem die Werkzeuge zur Verfügung zu stellen, die er benötigt, um sein eigenes Gefühl für digitales Wohlbefinden zu entwickeln. Damit das Leben, nicht die Technologie, im Vordergrund stehe“, so beschreibt das inzwischen unabhängig instituierte Digital Wellbeing Programm seine Idee.

„Die Technologie wird sich weiterentwickeln. Tun wir es auch?"

fragt hingegen das Digital Wellness Collective. Werden wir von den „Auswirkungen“ dieser ersten Technologiewelle lernen? Wir schätzen die enormen Möglichkeiten, die wir durch digitale Technologie haben. Gleichzeitig lernen wir nun über die negativen Nebenwirkungen wie digitale Sucht, soziale Isolation, Fehlinformationen, mangelnde Konzentration und Aufmerksamkeit sowie mangelnde reale Verbindungen. Werden wir in der Lage sein, diese Erkenntnisse, die guten und die schlechten, bei der Weiterentwicklung der digitalen Evolution zu beherzigen? Können wir den negativen Auswirkungen der Technologie mit „positiver Technologie“ entgegenwirken?

Es gibt inzwischen viele Anregungen, Initiativen und Programme, die die digitale Technologie dafür einsetzen, dass zum Beispiel Menschen von Angesicht zu Angesicht zusammenzukommen. Es werden neue Ideen für Applikationen entwickelt, die die Qualität der Online-Zeit verbessern und gleichzeitig die Quantität verringern sollen.

PRAKTISCHE TIPPS:

  • Der Flight Modus tut der Seel gut!

  • Teste selbst, wie du mit deinen digitalen Geräten umgehst: >>>

  • Frage dich Folgendes: Wenn du Geld und die Zeit zur Genüge zur Verfügung hättest - was würdest du machen? Verbringst du dann deine Zeit am Smartphone und scrollst dich durch die sozialen Apps durch? (Ich hoffe die Antwort ist Nein.)

  • Feiere den Digital Wellness Day am 1. Mai 2020

Zum Schluss… eine Frage:


Eine Frage, die Diego Perez (Yung Pueblo) in seinem Vortrag bei der Wisdom 2.0 Konferenz über unser menschliches Verhalten stellte: Die Menschheit als Ganzes ist noch sehr jung, die Art und Weise, wie wir uns und andere behandeln, ist oft noch sehr rau. Wir haben noch viel Potenzial zu wachsen.

Ein häufiges Beispiel, das er gerne gibt, um dies zu zeigen, ist: Was sind die grundlegenden Dinge, die ein Kindergärtner versucht, den Kindern beizubringen?

  • Räum hinter dir auf

  • Schlag die anderen Kinder nicht

  • Sag die Wahrheit

  • Geht freundlich und nett miteinander um

Ist unserer Menschheit in der Lage, diese vier grundlegenden Dinge zu tun?

Denk darüber nach. Schau dir diese Welt an…

Es wächst, was geteilt wird

Es besteht kein Zweifel, dass eine Idee weiter wächst, wenn sie geteilt wird: Diese 1000+ Teilnehmer und Referenten Konferenz zeigte, dass es ein stark wachsendes Bewusstsein und eine Bewegung gibt, Werte wie Menschlichkeit, Liebe, Wertschätzung, Aufmerksamkeit und Kooperation in der Gesellschaft, im Privaten und im Business zu verankern.



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