• Claudia Brose

Wie wirkt sich überoptimieren und mikroplanen auf unsere Aufmerksamkeit für das Wesentliche aus?



Um unsere Aufmerksamkeit auf die wichtigen Dinge während des Tages zu lenken und die unangenehmen Dinge des Lebens auszulagern gibt es verschiedene Möglichkeiten.

Dabei beobachte ich, dass immer wieder neue Zeitmanagement, Effizienz oder Produktivitäts-Tools in Form von Apps oder Online Services entwickelt werden. Die Frage ist, ob wir eine Lebenssituation mit zu viel Arbeit, Überforderungen und zu eng getakteten Tagen durch Apps und präzise Zeitplanung verändern können? Oder wird hier vielleicht nur ein Pflaster auf die Wunde geklebt, anstatt an der Ursache was zu ändern?


Dass wir von verschiedenen Seiten Hilfe heranziehen ist ja gut. Wer nicht putzen mag, kann das gerne einer Putzfrau überlassen, das spart in der Tat Zeit und Nerven und die Zeit kann besser genutzt werden für Dinge, die einem wichtig sind. Wer ein Business hat und Aufgaben, die andere besser können abgibt, um seine Aufmerksamkeit auf strategische Fragen zu fokussieren, wie das Business wachsen und geführt werden kann, verhält sich sicherlich geschickt.


An welchem Punkt funktionieren wir aber durch minutiöse Zeitmanagement Planungen, Fitness Überwachungs-Apps, Weihnachtsbaum-Aufbau-Services wie durchgetaktete Roboter, weil alles so praktisch und streamlined ist – anstatt zu LEBEN und mitzukriegen, was in der Welt draußen passiert? Wenn einem alles abgenommen wird und du dich um nichts kümmern musst (Einkaufen, Reinigung, organisiertes Social Life, vormöbilierte Wohnungen, und vieles mehr, wie es zum Beispiel bei WeWork in vielen Städten in der Welt oder auf dem Google Campus passiert), hast du mehr Zeit zum Arbeiten und die vielen ToDo‘s und WantTo‘s in 24 Stunden unterzubringen, die vorher nicht in 36 Stunden erledigt werden konnten. Wie praktisch!


Wissen wir noch, was wir selbst eigentlich wollen, wie wir unser Leben leben wollen? Haben wir unsere eigenen Vorstellungen oder ist es erfüllend, dass jemand anderes unser Leben organisiert? Workaholics, Startup Gründer, geschäftige Menschen lassen sich ihr Leben durch Services, Apps und sonstige neue Geschäftsmodelle helfen, die versprechen, dass man ein bedeutungsvolles Leben leben kann, weil der Service ihnen die unangenehmen Erledigungen des Alltags abnimmt. Das kann dann zum Beispiel so aussehen, wie bei Hello Alfed:We’re a time-expanding, space-creating home-operating system for your life. We combine human-centered technology with hands-on hospitality to create the home of the future and redefine modern city living.” Na, was will man mehr? Die Nutznießer dieser Services finden es klasse, dass sie von den Alltagsablenkungen befreit sind und sich ganz auf ihre 13 Stunden Arbeitstage konzentrieren können und so das Leben, das an ihnen vorbeizieht, nun besser genießen können.


Vielleicht sollten wir eher an anderen Schrauben drehen? Wie wär‘s mit einfach mal weglassen, weniger machen, Nein sagen und anhalten? Können wir nicht, weil sich das Rad ja immer weiterdreht und uns die Konkurrenz, der Job, die Geschäftsmöglichkeiten sonst überholen?


Die Frage ist, ob wir immer effizienter mit dem Umgang der Überforderung werden wollen – so dass wir dann effizient Platz geschaffen haben, um die bislang 100 Aufgaben und Anforderungen, die wir nicht alle unterkriegen konnten, nun alle erledigt bekommen? Oder vielleicht sollten wir andersherum denken? Anstatt uns darum zu bemühen, wie wir den Tagesablauf effizienter arrangieren können, sollten wir in den 24 Stunden, die wir jeden Tag haben, bei jeder Tätigkeit komplett präsent und fokussiert sein. Denn sich mit seinem Zeitmanagement verrückt zu machen, verursacht nur zusätzlichen, unnötigen Stress. Die Panik, nicht alles geschafft zu bekommen, raubt einem Zeit und Nerven, die einem dann fehlen, sich auf die einzelnen Aufgaben zu konzentrieren und geschafft zu bekommen. Wie verrückt sind wir eigentlich?


Wer hat den Mut, Anforderungen und Aufgaben wegzulassen, um sich stattdessen mehr Zeit zu nehmen, über Fragestellungen genauer nachzudenken, dem Gesprächspartner aufmerksamer zuzuhören, durchdachte Entscheidungen zu treffen, auf höhere Qualität zu achten und sich Zeit für sich selbst zu nehmen? Mehr Aufmerksamkeit auf das, was Lebens- und Arbeitsqualität ausmacht halt...

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