• Claudia Brose

Menschen sind kein human capital sondern human beings



Erfolgsfaktor Aufmerksamkeit – Warum Organisationen ihre Mitarbeiter im Blick haben sollten


„Ich war so wütend, dass der CEO weit weg war, in einem Turm oder irgendwo, wo er sich Tabellenkalkulationen betrachtete und entschied, diese 85 Jahre alte Jogurt Fabrik zu schließen. Spreadsheets are lazy. Sie erzählen dir nichts über Menschen, sie erzählen dir nichts über Gemeinschaften. Leider werden heute zu viele Geschäftsentscheidungen auf der Basis von Zahlen und Excel Sheets getroffen.“ Hamdi Ulukaya erzählt in seinem TED Talk (2005) wie er dazu kam, eine alte Jogurt Fabrik in Upstate New York zu kaufen, die eine große Lebensmittelfirma (Kraft Food) abstieß. Obwohl er kein Geld hatte. Er schaute sich die traurige Fabrik an und was er wahrnahm waren die 55 Menschen, deren Arbeitswelt für immer geschlossen werden sollte.



Aufmerksamkeit heißt, sich um andere kümmern


Aufmerksamkeit geschenkt zu bekommen macht glücklich, beschwingt, fühlt sich gut an. Keine Aufmerksamkeit zu erhalten, missachtet zu werden, schmerzt. Das gilt in allen Lebensbereichen, auch im Arbeitsumfeld.


Aufmerksamkeit heißt, sich um andere zu kümmern.


Sich kümmern bedeutet, laut Duden, sich einer Person oder Sache annehmen und sich helfend, sorgend um jemanden oder etwas bemühen. Weiterhin heißt es, jemandem oder einer Sache seine AUFMERKSAMKEIT zu schenken und sich mit jemandem zu befassen.


Wenn du jemandem Aufmerksamkeit schenkst, beobachtest du ihn, hörst der Person zu und nimmst ihn zur Kenntnis. Wenn du jemandem keine Aufmerksamkeit schenkst, verhältst du dich so, als ob du dir der Person nicht bewusst bist, sie nicht beachtest oder als ob sie nicht wichtig sei.


Möchtest du unbeachtet, unhöflich oder bedeutungslos behandelt werden?


Gute Führung ist Service


Wie gehen wir mit Mitarbeitern und Kunden um? Schenken wir ihnen ausreichend Aufmerksamkeit? Das beinhaltet, seinem Gegenüber mit Respekt und Wertschätzung zu begegnen.


Eine Organisation ist keine Maschine, sondern ein lebender, atmender Organismus. Mit Menschen, die nicht „human capital“ sondern „human beings“ sind.


Untersuchungen haben festgestellt, dass viele Mitarbeiter sich nicht mit ihrer Arbeit verbunden fühlen, der Körper erscheint zur Arbeit, aber das Herz kommt nicht mit. Die Motivation, der Sinn und das Gefühl, ein Teil des Ganzen zu sein, eine Vision, warum man bei der Organisation dabei ist, geht vielen verloren.


Hamdi Ulukaya kratzte Kredite zusammen, stellte zunächst 4 der 55 entlassenen Jogurt Fabrik Leute an, später alle anderen und viele weitere mit der Zeit. Sie fingen an, gemeinsam die Fabrik zu streichen und irgendwie auf Vordermann zu bringen. Die gleichen Leute, die aufgegeben wurden, haben die Fabrik wieder aufgebaut, besser als vorher, und sind heute alle finanziell an dem Unternehmen beteiligt. „Bei den ersten Aufbauarbeiten haben wir uns kennengelernt. Wir haben aneinander geglaubt. Und wir haben gemeinsam den Weg herausgefunden.“


Sich um Menschen kümmern heißt, ihnen Aufmerksamkeit zu schenken


Es sind Menschen, die eine Organisation am Laufen halten, ob Mitarbeiter, Kunden oder Lieferanten. Würde es dann nicht Sinn machen, sich um diese Menschen entsprechend zu kümmern?


Raj Sisodia von Conscious Capitalism erklärt, dass gute Führung ein Dienst ist, ein Service an die Mitarbeiter, sich um sie zu kümmern, sie zu inspirieren und sie zu feiern. Oder wie Gary Vaynerchuk sagt, die Mitarbeiter arbeiten nicht für die Führungskraft, sondern umgekehrt.


Zu oft schauen wir auf einen Menschen, wie er in diesem Moment ist, anstatt zu erkennen, was er sein kann. Anstatt einen Mitarbeiter aufzugeben oder zu feuern, könnten etwas Geduld, Ermutigung und Training helfen, dass die Person sich weiterentwickelt und zufriedener im Job und ein wertvoller Bestandteil der Organisation wird.


Das verlangt Aufmerksamkeit.


Aufmerksamkeit bedeutet:

· sich Zeit nehmen

· zuhören

· beobachten.


So erkennt man die Stärken einer Person und kann helfen, diese weiterzuentwickeln und entsprechend im Unternehmen einzusetzen.


Earl Nightingale, der bekannter Radiosprecher und Experte zu Erfolg, Persönlichkeitsentwicklung und Motivation, sagte: In jedem von uns gibt es tiefe Reservoirs an Fähigkeiten, oder sogar Geniales, das wir oft gar nicht nutzen. Es braucht manchmal Wissen, Geduld und Zeit, diese Fähigkeiten an die Oberfläche zu bringen.


„Ein Unternehmen sollte sich als erstes um seine Leute kümmern.“ - Hamdi Ulukaya

Hierarchische Machtstrukturen funktionieren nicht mehr


Wie können Bedingungen geschaffen werden, um sich als Mensch zugehörig zu fühlen und in einer Gemeinschaft zu entfalten? Hierarchische Machtstrukturen funktionieren nicht mehr. Organisationen erkennen, dass Menschen nur dann kreativ werden und Verantwortung übernehmen, wenn sie sich dort wohl fühlen und Vorstellungen einbringen können, die für sie sinnvoll sind.


Dafür spielen Anerkennung und Wertschätzung eine wichtige Rolle. Bei mangender Anerkennung leiden Loyalität, Motivation und die Teilnahme an konstruktiven und kreativen Prozessen.


Denn eine Organisation ist von seinen Menschen abhängig.


Bob Chapman, CEO von Barry Wehmiller, erklärt: „Wenn 88% der Menschen, die einen Job haben, das Gefühl haben, für eine Organisation zu arbeiten, die sich nicht um sie kümmert, fühlen sie sich nicht geschätzt. Sie fühlen sich für den Gewinn eines anderen benutzt. In der Wirtschaft, Politik und Gemeinden werden Menschen oft nicht mit der Würde und dem Respekt behandelt, die sie verdienen. Im Gegenzug ist es dann für diejenigen, die sich nicht umsorgt fühlen, schwierig, sich um andere zu kümmern.“ In anderen Worten, warum sollte ein Mitarbeiter um Kunden bemüht sein, wenn er sich selbst vom Unternehmen vernachlässigt fühlt?


Wenn wir mit den Mitarbeitern richtig umgehen, mit den Kunden und der Community und unserem Produkt, dann sind wir profitabler, innovativer, haben leidenschaftliche Mitarbeiter, die sich für die Organisation einsetzen und eine Community, die unterstützt. So sieht Hamdi Ulukayas die neue Rolle von CEOs und Unternehmen. Seine Fabrik, Chobani, ist heute die meistverkaufte griechische Joghurtmarke in Amerika und eine der größten Joghurtfabriken der Welt.


Respekt und Verständnis zeigen durch Zuhören


Wie können wir dahin kommen? Zuhören wäre ein erster, wichtiger Schritt. Richtig zuhören.


Und das verlangt Aufmerksamkeit.


Nicht zuhören, um seine Meinung und Position loswerden zu können, sondern um wirklich die Worte und Gefühle und Ideen der anderen Person zu verstehen. Um eine andere Perspektive kennenzulernen und damit Empathie aufzubauen. Eine Grundlage für jeder Art von Beziehung, da es zeigt, dass man die andere Person respektiert, ihr Aufmerksamkeit schenkt und sich um sie kümmert.


Wie können wir sonst Vertrauen aufbauen und Respekt zeigen und einander verstehen, wenn wir nicht wissen, was die andere Person denkt und fühlt? Stell dir vor, wie jedes Gespräch verbessert werden könnte, wenn wir es auf diese Weise angingen, ob in der Organisation, im Alltag, zu Hause, in der Fremde....


„Aufmerksamkeit führt zur Vertiefung der zwischenmenschlichen Abläufe, zu Intensivierung unserer Gefühle, zu Klarheit in der Beurteilung und letztlich zur Sinnfindung“.

Prof. Dr. med. Reinhard Haller.


Neue Spielregeln


Hamdi Ulukayas Vision ist es, ein „anti-CEO playbook“ zu etablieren, das Menschen über Profit stellt. Die Vorlage, an der sich Unternehmen und CEOs in den letzten 40 Jahren orientiert haben, ist kaputt. Es erzählt den CEOs alles über’s Business, außer wie man eine edle Führungskraft ist. Wir brauchen ein neues Spielbuch, das wieder die Menschen in den Vordergrund stellt, ist seine Meinung. „Der Schatz, den ich in dieser Fabrik gefunden habe - Würde der Arbeit, Charakterstärke, menschlicher Geist - ist das, was wir in der ganzen Welt wieder zum Leben erwecken müssen.


Der Journalist und New York Times Kolumnist Thomas Friedman schrieb einst:

„Es ist erstaunlich, was wir von Menschen zurückbekommen oder von ihnen verlangen können, wenn wir ihnen Respekt entgegenbringen und ihre Würde wertschätzen.“

Eine Organisation ist keine Maschine, sondern ein lebender, atmender Organismus. Mit Menschen, die nicht „human capital“ sondern „human beings“ sind.


Ich hoffe, dieser Artikel hat einige neue Ideen, Impulse, Überlegungen für Dich und Deine Arbeit & Dein Leben ausgelöst. Lass mich wissen, ob es Dir gefallen hat, indem du Like klickst oder es teilst. Danke fürs Lesen!


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photo © Heike Rost Photographie


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