• Claudia Brose

Sehen und Gesehen werden


Mitten im Trubel des Venezianischen Karnevals!


photo © Claudia Brose

Der Karneval in Venedig geht noch bis Karnevalsdienstag (Fastnachtdienstag) und die letzten Tage waren wir mit unserem Fotoworkshop „Karneval in Venedig“ mittendrin im bunten Treiben. Die Lagunenstadt ist gefüllt mit Karneval Fans, die in historischen Kostümen die Gassen, Brücken und Plätze füllen. Etwas entspannter können wir die Masken in den frühen Morgenstunden am Ufer beim Dogenpalast am Markusplatz sehen. Für Portraitaufnahmen der aufwendig maskierten Karnevals-Darsteller tummeln sich sämtliche Fotografen um sechs Uhr morgens an der Uferpromenade, wo die Kostüme noch vor Sonnenaufgang posieren. Hier geht es darum gesehen zu werden.


Sehen und Gesehen werden


Die vielfältigen Kostüme, teilweise auch mit Neonlichtdekoration auf dem Gewand, stellen sich zur Schau, und möchten gesehen werden. Sehen und Gesehen werden. Die Workshop Teilnehmer möchten sehen und fotografieren. Welche Maske, welches aufwendige Kostüm können wir aus welcher Perspektive, vor welchem Hintergrund so komponieren, dass unser Bild den Eindruck erweckt, der kostümierte Akteur und ich waren ganz alleine im Morgengrauen von Venedig? Nicht ganz einfach mit hunderten von Fotografen vor deiner Nase, die das gleiche versuchen.


Sehen heißt aber noch viel mehr in Venedig. Und bei diesem Workshop ging es um sehen und wahrnehmen. Wahrnehmen, was sich dem Auge alles bietet und entsprechend antizipieren, bereit sein und schnell reagieren können. Details wahrnehmen, von denen es in Venedig sowieso schon schwirrt aber während des Karnevals nimmt die Fülle an Farben, Formen, Mustern, Details und Bewegungen noch zu. Im engen Gassenlabyrinth weiß man nie, wann ein Kostüm um die Ecke kommt. Bei der Vaporetto Fahrt auf dem Kanal wechseln ständig die Szenen am Ufer und jeder Moment bietet ein neues Motiv, eine kurze Geschichte. Beobachten, vorbereitet sein und im richtigen Moment beim vorbeischippern auf den Auslöser drücken.


Hinter den Kulissen


Sehen heißt auch hinter die Kulissen schauen. Wie beim Besuch des Masken Ateliers Kartaruga, wo unsere Fotoworkshop Gruppe eine private Demonstration vom Besitzer Franco erhielt und fotografieren konnte, wie eine Maske eigentlich hergestellt wird. Sehen bedeutet Perspektivenwechsel, wie früh morgens von einem Dach überm Markusplatz zu fotografieren. Der geheime Zugang zu diesem Canaletto Ausblick wird hier nicht verraten. Aber unser Venezianischer Freund hat uns hier ein ganz besonderes Erlebnis beschert. Eine andere Perspektive ist, eine Position inmitten der traditionellen Stier Parade (Bull Parade) einzunehmen und hautnah zu fotografieren, wie sich der Zug, bestehend aus einem kostümierten riesigen Bullen, zwölf Schweinen, Marien Mädels und mittelalterlichen Gruppen durch eine unendliche Zahl enger Gassen bis auf die Veranstaltungs-Bühne auf dem Markusplatz schlängelt. Die „Bull Parade“ geht historisch auf das Jahr 1162 zurück.


photo © Claudia Brose


Die Tradition des Karnevals in Venedig begann in 1162, seit 1296 ist der Fastnachtsdienstag zum Feiertag erklärt. Im 18. Jahrhundert steigerten sich die Karnevals Festivitäten zu einem Höhepunkt, mit Aktivitäten von bis zu sechs Monaten, die Touristen aus ganz Europa anzogen. 1797 eroberte Napoleon die Republik Venedig, schaffte eine Tausend Jahre alte Republik ab und damit den Karneval, um die kulturelle Identität der Stadt zu unterhöhlen. Unter österreichischer Herrschaft im 19. Jahrhundert wurden die Masken verbannt, und unter Mussolini wurde der Karneval ab 1930 komplett verboten. Erst seit 1979 konnte die Stadt die Tradition des Karnevals in Venedig wieder erfolgreich ins Leben rufen.


Connecting - mit Menschen verbinden


Besondere Erlebnisse entstehen oft durch Menschen, mit denen wir eine Beziehung aufbauen. Auch dies ist ein wichtiger Bestandteil des Workshops. Mit den Menschen sprechen und das Eis brechen verspricht spannendere, tiefere Bilder als ein anonymes Fotografieren der Kostümierten. Vor ein paar Jahren haben wir in Venedig den fantastischen MarKi aus Frankreich getroffen, der jedes Jahr mit wechselnden, aufwendigen Kostümen ein fester Bestandteil der Venezianischen Karnevalsszene ist. Ein gemeinsames Fotoshooting mit dem MarKi in einem ruhigen Innenhof, mit Blitzlichteinsatz, machte sowohl dem MarKi als auch den Teilnehmern Spaß und die Interaktion zwischen „Modell“ und „Fotografen“ zeigt sich auch in den Bildern. Ein Venezianischer Freund hat uns mit einem Bekannten auf Murano zusammengebracht, der uns in eine ganz kleine Glasbläserei brachte, wo die Teilnehmer die Glasbläser bei ihrer Arbeit fotografieren konnten. Besondere Begegnungen inmitten des Venezianischen Karnevalschaos.




photo © John McDermott

Ebenso wertvoll sind die Verbindungen mit den Menschen im Workshop. Ob es Teilnehmer sind, die wir schon von vorherigen Workshops kennen oder neue Teilnehmer, die manchmal zu neuen Freunden werden. Die positive Gruppendynamik, die gegenseitige Unterstützung, der Austausch, der bei den gemeinsamen Abendessen auch über das Fotografieren hinaus geht, machen das gemeinsame Workshop Erlebnis besonders wertvoll.


photo © John McDermott


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