• Claudia Brose

Was ist der Unterschied zwischen Aufmerksamkeit und Achtsamkeit?



Die Begriffe Achtsamkeit, Mindfulness, Aufmerksamkeit (Attention) vermischen sich leicht. Gibt es Unterschiede und wenn ja, welche?


Ich habe einige Fragen dazu gehört und versuche darauf einzugehen und die Begriffe und Konzepte aus meiner Sicht zu differenzieren und dir einen besseren Überblick zu geben.


Ist Achtsamkeit und Mindfulness das gleiche?


Achtsamkeit ist in aller Munde und der Begriff wird vielseitig genutzt. Was im englisch-sprachigen Raum als Mindfulness wird im deutschsprachigen Raum mit Achtsamkeit beschrieben.


Wir schauen uns hier Achtsamkeit im Sinne von Mindfulness an, um es zunächst mal vom üblichen Verständnis zu unterscheiden, was wir oft mit Achtsamkeit meinen, nämlich aufzupassen, achtsam zu sein, vorsichtig zu sein, „Achte auf die Stufe!“, oder behutsam mit etwas umzugehen.


Im Wesentlichen will Mindfulness ausdrücken, im Hier und Jetzt präsent zu sein und uns mehr auf uns selbst zu besinnen. Mehr „anwesend“ zu sein, ein fokussiertes Bewusstsein für den Moment zu entwickeln. Es ist eine Fähigkeit, die eigentlich in uns steckt, uns aber schwerfällt und wir durch Meditation oder andere Trainings entwickeln können.


In diesem Sinne lassen wir die Begriffe Achtsamkeit und Mindfulness ineinanderfließen und beschreiben Achtsamkeit als einen besonderen Wahrnehmungs- und Bewusstseinszustand.



Wie geht Achtsamkeit?


Achtsamkeit fokussiert das menschliche Gehirn auf das, was in diesem Moment wahrgenommen wird, anstatt ständig in der Vergangenheit oder der Zukunft rumzuspringen.


Achtsamkeit betont also im Moment anwesend zu sein, mit mehr Besinnung auf uns selbst, bewusst nach innen schauend.


„Achtsamkeit heißt, dass wir in einer überfüllten, überreizten, überkomplexen Welt lernen müssen, uns auf neue Weise auf uns selbst zu besinnen." Matthias Horx, Begründer des Zukunftsinstituts.


Achtsamkeit ist eine Art und Weise jeden Tag bewusst und achtsam zu leben. Das ultimative Ziel in der Achtsamkeitsbewegung ist es, uns zu helfen, langfristig gesunde, liebevolle, friedliche, mitfühlende Entscheidungen zu treffen und all unsere Handlungen und Reaktionen diese Haltung reflektieren. So beschreibt es der Psychotherapeut und Autor Ira Israel.



Ist die Achtsamkeitsbewegung nur ein Trend?


Die Achtsamkeitsbewegung wird oft noch als momentaner Trend belächelt.


Für Jon Kabat-Zinn, Begründer der Achtsamkeitsbewegung, ist Achtsamkeit der Weg zur Evolution unserer inneren Weisheit.


„Das Herz der Achtsamkeit ist die Entdeckung und Kultivierung der Verbundenheit mit dem, was das Beste und Tiefste in uns ist“, beschreibt der emeritierte Medizin Professor und Molekularbiologe, der 1979 das Mindfulness-Based Stress Reduction (MBSR) Programm gründete. Dieses Programm ist mittlerweile weltweit anerkannt und praktiziert und stieß die Anwendung von Achtsamkeitsideen und -praktiken in der Medizin an.



Hat Achtsamkeitstraining Zukunft?


Achtsamkeit wird in Zukunft ein zentraler Bestandteil des mentalen Gesundheitstrainings sein. Achtsamkeitstraining wird als Instrument zur kognitiven Verbesserung eingesetzt.


Beim Achtsamkeitstrainings sollen Gedanken, Gefühle, Körperempfindungen und die Umgebung unvoreingenommen wahrgenommen werden.


Diese Fähigkeit kann durch Meditation oder anderes Training entwickelt werden. Diese Achtsamkeitspraktiken wurden hauptsächlich von Lehren aus den fernöstlichen Kulturen, insbesondere von buddhistischen Traditionen, inspiriert. Von Jon Kabat-Zinn wurden sie in die Wissenschaft und heutige Mindfulness Bewegung getragen.


Auch Matthias Horx vertritt die Ansicht, dass Achtsamkeit kein Trend sondern eine Bewegung ist, die die Gesellschaft verändern wird. Sie ist Teil veränderter Lebenskonzepte. Sein Zukunftsinstitut, so wie mittlerweile viele weitere Institute und Forschungsgruppen, untersuchen das Phänomen und Konzept Achtsamkeit.



Ist Achtsamkeit nur ein anderes Wort für Aufmerksamkeit?


Es gibt einige Überschneidungen zwischen den beiden Begriffen und Konzepten, aber ich sehe sie nicht als das Gleiche oder als einfach austauschbar an.


ACHTSAMKEIT ist das Bewusstsein, das entsteht, wenn wir unsere Aufmerksamkeit absichtlich auf den gegenwärtigen Moment richten. Wenn wir uns selbst Aufmerksamkeit schenken, gehen wir achtsam mit uns um. Hier laufen beide Konzepte zusammen.


Achtsamkeit hilft, das Leben bewusst zu erleben, während es sich entfaltet und um präsent und ruhig zu bleiben.


AUFMERKSAMKEIT hat mehrere Dimensionen: die Fähigkeit sowohl fokussiert und produktiv als auch respektvoll und menschlich zu sein.


Hier unterscheiden sich Achtsamkeit und Aufmerksamkeit – in der Ausrichtung auf nach innen und nach außen.


Aufmerksamkeit umfasst auch die Dimension höflich, nett, zuvorkommend, hilfsbereit oder rücksichtsvoll zu sein. „Wie aufmerksam von Dir! Danke!“. „Ich habe dir eine kleine Aufmerksamkeit mitgebracht.“ Wenn wir aufmerksam sind, dann sind damit eine Menge guter Verhaltensformen verbunden, die uns helfen, zu überleben, effektiver zu arbeiten, schöner zu leben und das Zwischenmenschliche positiver zu gestalten.



Was bedeutet Aufmerksamkeit schenken?


Die gängige Vorstellung zu Aufmerksamkeit ist, sich konzentriert und fokussiert einer Sache zuzuwenden. Von den vielen Dingen, Informationen und Reizen, die wir um uns herum wahrnehmen, steuern wir unsere Aufmerksamkeit auf eine ausgewählte Sache. Also Aufmerksamkeit nur als eine weitere kognitive Funktion?


Das ist aber nicht die ganze Wahrheit. Das Konzept von Aufmerksamkeit schenken umfasst viel, viel mehr und basiert neben dem Aspekt des Fokussierens auf Offenheit, Interesse, zwischenmenschliche Sensibilität und Einfühlungsvermögen.


Die 3 großen Säulen der Aufmerksamkeit sind:


FOKUS: die Fähigkeit, dich zu konzentrieren und fokussieren und die nervenden und stressigen Ablenkungen auszuschalten


KÜMMERN: die Fähigkeit, Menschen deine Aufmerksamkeit zu schenken: dir selbst, um deine Gesundheit und Selbstbewusstsein zu stärken, und deiner Familie und Freunden, den Menschen im Alltag und den Kollegen und Mitarbeitern mit Aufmerksamkeit begegnen, um mit Respekt und Wertschätzung sowohl dein als auch deren Leben zu bereichern.


WAHRNEHMUNG: die Fähigkeit, dir der Welt um dich herum bewusst zu sein, um Gesamtzusammenhänge besser wahrzunehmen und zu verstehen, um die schönen Kleinigkeiten im Leben und die Gefahren mitzubekommen.



Wie fühlt sich Aufmerksamkeit an?


Aufmerksamkeit ist mühsam und anstrengend.


Höflich zu sein, jemanden zuzuhören, sich zu fokussieren ist mühsam, ist anstrengend. Nachzudenken, in die Tiefe zu gehen, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen, wachsam zu sein, aufzupassen, was um einen herum geschieht, ist anstrengend.


Aufmerksam zu sein, jemanden seine Aufmerksamkeit zu schenken bedeutet: wachsam zu sein, aufzupassen, sich zu konzentrieren, zuzuhören, sich Zeit zu nehmen, offen zu sein.


All das ist anstrengend.


Aber wie vieles, das uns „quält“, wenn wir uns durchquälen, kommen wir zu Qualität.


„Aufmerksamkeit führt zur Vertiefung der zwischenmenschlichen Abläufe, zu Intensivierung unserer Gefühle, zu Klarheit in der Beurteilung und letztlich zur Sinnfindung“. Prof. Dr. med. Reinhard Haller.


Da steckt viel Qualität hinter.


Und am Ende des Tage, fühlt es sich einfach nur gut an, wenn wir den Menschen um uns herum unsere Aufmerksamkeit geschenkt haben.



Kümmerst du dich um das, was dir wertvoll ist?


Sich kümmern bedeutet, laut Duden, sich einer Person oder Sache annehmen und sich helfend, sorgend um jemanden oder etwas bemühen. Sich kümmern heißt, jemandem oder einer Sache seine AUFMERKSAMKEIT zu schenken und sich mit jemandem oder etwas zu befassen.


Aufmerksamkeit heißt: sich kümmern.


Wenn du jemandem Aufmerksamkeit schenkst, beobachtest du ihn, hörst der Person zu und nimmst ihn zur Kenntnis. Wenn du jemandem keine Aufmerksamkeit schenkst, verhältst du dich so, als ob du dir der Person nicht bewusst bist, sie nicht beachtest oder als ob sie nicht wichtig sei. Möchtest du unbeachtet, unhöflich oder bedeutungslos behandelt werden?


Aufmerksamkeit geschenkt zu bekommen macht glücklich, beschwingt, fühlt sich gut an. Keine Aufmerksamkeit zu erhalten, missachtet zu werden, schmerzt. Du hast die Wahl.


Alles hat seinen Platz im Leben. Auch die Arbeit. Aber wie viel Aufmerksamkeit schenkst du den wertvollsten Menschen in deinem Leben und kümmerst dich um sie?



Wie überschneiden sich Aufmerksamkeit und Achtsamkeit?


Was beiden Konzepten gemeinsam ist, sind Fokus und Bewusstsein.


Fokus ist Teil von Achtsamkeit und Aufmerksamkeit, allerdings in unterschiedlicher Form


Fokus im Rahmen von Aufmerksamkeit bedeutet, dass wir unsere Aufmerksamkeit auf eine Sache richten, um konzentriert und unabgelenkt die Aufgabe zu bewältigen. Denn unsere Aufmerksamkeitsspanne ist begrenzt und wir lassen uns ständig ablenken. Wir versuchen, in die Aufgabe oder Sache, mit der wir uns beschäftigen, hinein zu zoomen und die Außenwelt dabei auszuschließen, um produktiv und konzentriert ein Ergebnis zu produzieren – und um nicht zu zerstreuten und oberflächlichen Denkern zu werden.


Fokus im Bereich Achtsamkeit bedeutet, in sich hinein zu zoomen und den Moment bewusst wahrzunehmen, dabei aber sich nicht aus der Welt zurückziehen, sondern auch die Eindrücke der Außenwelt in diesem Moment wahrzunehmen und zu schätzen. Sich für das „gesamte Spektrum menschlicher Erfahrungen“, so Jon Kabat-Zinn, zu engagieren.


Bewusstsein ist ein wichtiges Element sowohl der Achtsamkeit als auch der Aufmerksamkeit. Sich seiner selbst, seiner Gedanken und Gefühle, sich der Menschen um einen herum und des Umfeldes und der Umwelt bewusst zu sein, ist beiden Konzepten gemein.



Aufmerksamkeit und Achtsamkeit – zwei wertvolle Fähigkeiten


Das Ziel der ACHTSAMKEITS-BEWEGUNG ist es, dass wir auf uns achten und achtsam mit uns umgehen. Wir wollen uns unseren körperlichen und mentalen Zustand bewusst machen, um uns vor Stress, Unzufriedenheit oder Depressionen zu schützen. Es ist eine Besinnung auf uns selbst und auf das Jetzt.



Bei der AUFMERKSAMKEITS-BEWEGUNG geht es um die Aufmerksamkeit auf die Sache ohne Ablenkung und die Haltung der Menschen zueinander, sich gegenseitig Aufmerksamkeit zu schenken. Den wichtigen Menschen in deinem Leben deine Aufmerksamkeit zu schenken, dich um sie zu kümmern. Den Menschen im Alltag mehr Aufmerksamkeit zu schenken, sie zu beachten und wahrzunehmen. Den Mitarbeitern, Kollegen und Geschäftspartnern mehr Aufmerksamkeit schenken, um eine menschliche, respektvolle, aufmerksame Arbeitswelt und Unternehmenskultur zu schaffen.



Aufmerksamkeit und Achtsamkeit sind nicht das Gleiche, sie haben überschneidende Aspekte und sind beide sehr wertvolle Bestandteile für ein erfülltes Leben und Arbeiten.


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Photo © John McDermott

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