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  • Claudia Brose

Weglassen, um mehr zu haben



„Ich habe den Engel im Marmor gesehen und habe so lange gemeißelt, bis ich ihn freigesetzt habe.“ Das sagte Michelangelo. Er sah klar vor sich, was er gestalten wollte, so konnte er alles unnötige Material wegschlagen.


Um weglassen zu können, muss man sich erst im Klaren darüber sein, was das Wesentliche, die Essenz ist!


Aufmerksamkeit - Worum geht es nicht?


Grundsätzlich geht es mir um Idee, dass wenn wir Aufmerksamkeit schenken wir unsere Art zu arbeiten und leben erfüllter und erfolgreicher gestalten können.


Und wenn ich das noch weiter runterbreche und einen tieferen Kern von „aufmerksam sein“ freisetzen möchte – dann wären das die Bestandteile ZEIT und NEUGIER.


Was habe ich nun alles weggeschlagen, um an die Essenz und, noch eine Schicht tiefer, an diesen Kern von Zeit und Neugier zu kommen?


Aufmerksamkeit als Währung


Heute wird im Markt gesehen, wer am lautesten schreit. Wir wollen Aufmerksamkeit auf uns ziehen für mehr Sichtbarkeit im Markt. Aufmerksamkeit wird wie eine Währung gehandhabt, umso mehr Aufmerksamkeit du erhältst (Followers?), umso höher ist dein Wert. Ich greife also den anderen ihre Aufmerksamkeit ab, um sie auf mich zu lenken.


Um diese Interpretation von Aufmerksamkeit geht es mir nicht.


Aufmerksamkeit als Ware


Mittlerweile hat sich der Begriff der Aufmerksamkeits-Ökonomie etabliert. Unsere Aufmerksamkeit wird von der Informations- und Marketingwelt als Ware angesehen, die uns ständig abgezapft und dann verkauft wird. Die Medien, Werbeindustrie, und Sozialen Plattformen wetteifern um unsere Aufmerksamkeit mit Anzeigen und Angeboten, um dann durch Klicks und Tricks Geld zu verdienen.


Es herrscht ein regelrechter Krieg um unser knappes Gut Aufmerksamkeit.


Aufmerksamkeit als Produktivitäts-Werkzeug


Aufmerksamkeit kann als ein Produktivitäts-Tool angesehen werden, in dem Sinne, dass durch Achtsamkeitsübungen ein aufmerksamer Umgang mit sich selbst gefördert wird, um Stress zu reduzieren und ausgeglichener zu werden. Das ist eine sehr begrüßenswerte Entwicklung, die sich hoffentlich immer weiter verbreitet. Allerdings nur solange dies nicht von Unternehmen als neues Produktivitäts-Tool missinterpretiert wird, um die Produktivität und Leistung der Mitarbeiter zu steigern.


Aufmerksamkeit als unendliche Ressource


Unsere uns innewohnende Aufmerksamkeit wird oft als unendliche Ressource angesehen, an der sich jeder bedienen kann. Boss, Kollege, Konkurrent, Kunde, Partner und Kinder zu Hause, Nachbar und Fremder im Alltag, alle versuchen ein Stück davon zu nehmen. Und wenn wir dem keine Grenzen setzen, dann lassen wir uns unsere Aufmerksamkeit unkontrolliert von uns nehmen.


Mangel an Aufmerksamkeit – NEHMEN statt Geben


Um mich auf Aufmerksamkeit als ein wertvolles Potenzial für unsere Arbeits- und Lebensgestaltung konzentrieren zu können, lasse ich die Formen von Aufmerksamkeit weg, die zu Mangel an Aufmerksamkeit führen.


Ein Mangel entsteht, wenn wir versuchen uns die Aufmerksamkeit anderer zu nehmen und auf uns zu lenken, um im Rampenlicht zu stehen.


Oder, andere nehmen sich unsere Aufmerksamkeit und wir bleiben passiv und lassen uns leichtfertig die Kontrolle über unser wertvolles Potenzial wegnehmen.


Warum lassen wir zu, dass uns Infoflut und Arbeitswut von wichtigen Dingen ablenken? Unser Mangel an Aufmerksamkeit äußert sich zum Beispiel in unseren „Ich habe keine Zeit!“ Ausrufen, die wir wichtigen Kunden oder unseren Kindern zurufen.


Wir schaffen es täglich, uns einen „Mangel an Aufmerksamkeit“ zu kreieren.


Aufmerksamkeit - Worum geht es?


Es geht um Weglassen, um mehr zu haben.


Das, was Mangel an Aufmerksamkeit kreiert meißle ich weg, um an den Engel im Marmor zu kommen: “Aufmerksamkeit schenken”.


Was ist, wenn wir es schaffen, dass eine Fülle an Aufmerksamkeit wächst, statt ein Mangel?


Fülle an Aufmerksamkeit - GEBEN statt Nehmen


Erst geben, dann erhalten. Wer gibt, der bekommt. Wer sät, der erntet.


Meine Essenz ist Aufmerksamkeit schenken, Aufmerksamkeit geben. Das heißt, wir behalten die Kontrolle über unser Potenzial an Aufmerksamkeit. Wir bestimmen darüber, wem oder was wir aus welchem Grund unsere Aufmerksamkeit schenken.


Wenn wir Aufmerksamkeit schenken, erhalten wir aufmerksames Verhalten zurück.


Wenn wir den Kunden oder dem Publikum zunächst unsere Aufmerksamkeit schenken und uns bemühen, deren Wünsche und Probleme zu verstehen, dann werden sie uns ihre Aufmerksamkeit geben und uns ins Rampenlicht stellen.


Wenn wir den Mitarbeitern zuhören, sie wahrnehmen und respektieren, dann geben sie uns Engagement, Ideen und Loyalität zurück.


Wenn wir unseren Liebsten Menschen im Leben unsere Aufmerksamkeit schenken, bekommen wir Liebe, Halt und Freude zurück.


Was steckt hinter Aufmerksamkeit schenken?


Wenn wir jetzt das Phänomen, Aufmerksamkeit zu schenken, weiter auseinandernehmen, was kommt zum Vorschein?


Hier brechen wir also die nächste Schicht herunter und gelangen zu: Menschlichkeit, Freundlichkeit (kindness), Respekt und Wertschätzung. Alles Werte, die auf der Wunschliste der Arbeitswelt von morgen stehen. Und die durch aufmerksames Verhalten umgesetzt werden können.


Zum Kern vorstoßen


Das Bedürfnis nach mehr menschlichen Verbindungen in der Arbeitswelt und die Umsetzung von obigen Werten bedeutet die Bereitschaft, sich zu kümmern und wahrzunehmen.


Wenn wir einer Person, Situation oder unserem Umfeld unsere Aufmerksamkeit schenken, heißt das, wir nehmen die Person oder die Situation wahr, sie ist uns bewusst und dann kümmern wir uns um den Menschen oder die Sachlage.


Aber was verlangt das von uns?


Es verlangt von uns, Zeit zu investieren und neugierig zu sein.


Der harte Kern: Zeit und Neugier


Nachdem wir nun alle Schichten zu Aufmerksamkeit abgeschält haben, angefangen mit den Interpretationen zu Aufmerksamkeit, die sich um Aufmerksamkeit nehmen und stehlen drehen, über die Erkenntnis, dass Aufmerksamkeit eine begrenzte Ressource ist, die wie Mangelware behandelt wird kommen wir zur Erkenntnis:


Es liegt in unserer Hand, dass wir Aufmerksamkeit geben und schenken können.


Und das erfordert zwei ganz entscheidende Elemente:


Wenn wir jemanden zuhören, uns um ihn kümmern, die Person wahrnehmen und wertschätzen, dann geben wir Zeit.


Wenn wir Umfeld, Menschen und Situationen aufmerksam wahrnehmen, betrachten, uns bewusst machen, um besser zu verstehen, zu lernen, vorauszuschauen, Zusammenhänge zu erkennen oder neue Lösungen oder Perspektiven zu sehen, dann sind wir neugierig.



FAZIT


Aufmerksam leben und arbeiten


Wenn wir uns bewusst sind, was für ein Potenzial unsere Fähigkeit, Aufmerksamkeit zu schenken ist, dann konzentrieren wir uns darauf, alles das, was dieses wertvolle Gut beeinträchtigt und zur Mangelware reduziert, abzuwehren, von uns zu weisen und wegzuschlagen.


So können wir das Beste aus dem Phänomen Aufmerksamkeit schenken herausholen, so dass unser commitment, aufmerksam zu leben und zu arbeiten uns Erfüllung im Berufs- und Privatleben beschert.


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Photo © John McDermott | mcdfoto.com


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