• Claudia Brose

Wie Du aus der Zeitfalle Ärger herauskommst




Jeden Tag können wir in Online Magazinen, Newslettern oder verschiedenen Mediakanälen den Zeit-Optimierungswahn verfolgen: Wie wir effizienter mit unserer Zeit umgehen können, sie besser managen und unsere Zeitfallen aufdecken können. Wir lesen über die Besten 13 Time Management Strategien erfolgreicher Manager, um uns daran ein Beispiel zu nehmen, wie wir erfolgreich sein können, wenn wir nur das Zeitmanagement endlich auf die Reihe kriegen würden. Das Credo lautet, mehr Aufmerksamkeit auf das, was wichtig ist, und weniger auf das, was unwichtig oder nicht dringlich ist.


Alles richtig und gut. Denn Zeitfresser lauern an allen Ecken und Enden und wir müssen sie nur aufspüren und vermeiden. Mit diesem Artikel werde ich noch einen weiteren Zeitfresser in den Topf werden, dem du deine Aufmerksamkeit schenken könntest: Hast du schon mal die vielen negativen Momente am Tag, an denen du dich über etwas ärgerst oder aufregst, als Zeit- und Energieverschwender betrachtet?


Wie oft am Tag ärgerst du dich und regst dich über etwas auf? Wie oft geschieht etwas Unerwartetes, dass dich nur nervt und du das Gefühl hast, das raubt jetzt nur wieder Zeit? Diese Dinge passieren und wir können das nicht ändern. Aber wir können ändern, wieviel Zeit wir darauf „verschwenden“, uns negative Gedanken über die Situation zu machen. Regst du dich seit fünf Minuten über etwas auf, dann hättest du schon vor vier Minuten anfangen können, diese Energie in die Lösungssuche oder Veränderung der Situation zu investieren.


Mehr Aufmerksamkeit den nervigen, negativen Gedanken schenken


Machen wir uns die negativen Gedanken bewusst, können wir den nagenden, nervenden Zeitfressern Einhalt gebieten. Beobachte mal deine Gedanken, wie du auf eine ärgerliche Situation reagierst.


Regen wir uns über etwas auf, steigern wir uns in den Ärger hinein. Wir wälzen diesen Ärger hin und her, wie den Kuchenteig im Mehl, und hängen uns an ihm auf, anstatt diese Zeit und Energie, die wir auf den geistigen und emotionalen Akt des Ärgerns verschwenden, schon längst wieder dafür zu nutzen, eine Lösung zu finden. Und dieser Prozess zieht sich wunderbar in die Länge, denn, bevor wir es uns versehen, ärgern wir uns darüber, dass wir uns so über den Vorfall aufregen. Und schon sind unsere Gedanken in einer zeitverschwendenden Schleife verstrickt.


Hier sollten wir uns den Rat von Marie von Ebner-Eschenbach zu Gemüte führen:


„Gelassenheit ist eine anmutige Form des Selbstbewusstseins.“

Andy Puddicombe, Speaker und Trainer für Meditation und Mindfulness und Mitbegründer von Headspace, beschreibt ein schönes Beispiel, wie uns unbewusst unsere (unnötigen) negativen Gedanken ablenken. Du hast einen wackeligen Zahn, der schmerzt, du bist dir dessen bewusst, du kannst in diesem Moment nichts ändern, aber alle 30 Sekunden gehst du mit deiner Zunge dran und denkst...ja, wackelt immer noch...ach, tut weh. Unbewusst wiederholen wir die gleiche Geschichte immer und immer wieder. Und jedes Mal sind wir wieder abgelenkt, haben einen Moment Zeit verloren, was sich summiert. Und wir wissen, jede Ablenkung kostet mehrere Minuten Zeit, um uns wieder auf das Thema zu fokussieren, wo wir eigentlich waren oder mit unseren Gedanken sein sollten.


Unser Kopf spielt mit uns. Wer hat die Kontrolle?


Machen wir uns bewusst, was da passiert, wie unser Kopf mit uns spielt, können wir diese Schleife das nächste Mal erkennen und loslassen.


Du ärgerst dich über einen Autofahrer, der dich schneidet, zu langsam oder unverschämt fährt und regst dich eine Weile darüber auf? Bekommt der betroffenen Autofahrer es mit, wie du dich über ihn ärgerst oder verändert der Ärger die Situation? Wahrscheinlich nicht. Aber du hast schon wieder fünf oder zehn Minuten Zeit verschwendet, in der du weiter an dem Gedanken (eine Planung, eine Geschenküberlegung, Besprechungspunkte), von dem dich dein Ärger abgelenkt hat, hättest weiterdenken können.


Ärger tötet nur die eigene Energie und geht gegen einen selbst. „Wenn du aufgebracht bist“, sagt man bei den Shaolin Mönchen, „tue und sage nichts. Atme langsam ein und aus, und warte, bis dein Geist wieder ruhig und klar ist.“ (zitiert Bernhard Moestl in Shaolin – Du musst nicht kämpfen, um zu siegen“). Einen Schritt (im Geiste) zurücktreten atmen, und eine andere Perspektive gewinnen. So ähnlich hält es auch Tony Robbins.


Die 90-Sekunden Regel


Tony Robbins, weltweit bekanntester Life und Business Coach, hat für sich eine 90-Sekunden-Regel entwickelt. Da unser Gehirn (von der Entwicklung her) auf Überlebensmodus ausgerichtet ist, schaut es nach den schlechten, gefährlichen Situationen. Und wir sehen auch heute noch, dass wir ständig unser Augenmerk auf Fehler und Negatives lenken. Tony Robbins hat für sich entschieden, dass ein Zustand des Frusts und Ärgers nicht nur Energie- und Zeitverschwendung ist, sondern auch ein negativer Zustand ist, in dem er sich überhaupt erst gar nicht befinden möchte. Er hat für sich die Entscheidung getroffen, jeden Tag gut drauf und in einer positiven geistigen Verfassung zu sein.


Seine 90 Sekunden umfassen den Moment, wenn du erkennst, dass Stress in dir hochkriecht, dann zu erkennen, ob diese Furcht und Ärger überhaupt legitim sind. Oft ist diese Angst oder der Ärger nur eine instinktive Reaktion des Unterbewusstseins, den Menschen zu schützen. Wenn der Ärger oder Frust eigentlich unbegründet ist, dann visualisiert er, wie der Stress oder die Angst wie ein Nebel oder eine Dunstwolke durch das Gehirn hindurchzieht. Bye, bye, Ärger. Du raubst mir nicht weiter meine Aufmerksamkeit, die ich für viel Wichtigeres brauche.


Die vielen kleinen Momente während des Tages, an denen wir uns über etwas aufregen und ärgern, nehmen uns Zeit und Energie, wenn wir es zulassen. Oder, wir können uns dazu entscheiden, die negative Ärger-und-Frust-Zeit zu nutzen für positive Herangehensweisen, um Lösungen zu finden oder neue Wege zu kreieren. Situationen und Probleme passieren. Fakt. Aber die Entscheidung liegt bei uns, welchen Gedanken wir mehr Aufmerksamkeit schenken, denen, die uns weiterhelfen oder denen, die uns in negativen Gedankenschleifen schwelgen lassen?

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