• Claudia Brose

Zurück aus der Zukunft – Wem oder was schenken wir unsere Aufmerksamkeit?


photo © John McDermott



Permanente Reizüberflutung, Information Overflow, digitaler Medien Wahnsinn und Konsumgüterrausch lenken uns davon ab, uns selbst und unser Umfeld bewusst wahrzunehmen. Davon beeinflusst nehmen wir uns nicht die Zeit, näher hinzuschauen oder länger nachzudenken.


Wir reagieren anstatt zuerst abzuwägen.

Wir treffen voreilige Entscheidungen anstatt zu hinterfragen.

Wir kümmern uns nicht, weil wir gehetzt sind.

Wir vergessen, was uns wichtig ist, weil wir ständig abgelenkt werden.

Wir schalten auf Autopilot, weil wir sonst nicht vorankommen.

Wir denken kurzfristig, statt langfristige Konsequenzen zu bedenken.

Wir empfinden Nichtstun als Zeitverschwendung.

Wir fühlen uns getrieben, hinterherhechelnd und der Zeit beraubt.

Wir kämpfen an vielen Fronten gleichzeitig und kommen an keiner voran.

Wir werden gelebt statt zu leben. Unser Leben fühlt sich, als ob es ein anderer für uns geplant hätte.


Warum?


Warum? Weil wir vom Strom mitgerissen werden, ohne uns zu fragen, ob wir da überhaupt mitschwimmen wollen. Weil wir es zulassen, dass die Zeit mit uns macht was sie will. Unsere Aufmerksamkeit wird ständig von uns verlangt, geradezu gestohlen, also ob es nicht in unserer Hand liegt, dass wir unsere Aufmerksamkeit kontrollieren und disziplinierter damit umgehen. Die Ablenkung macht es sich in unserer Komfortzone gemütlich. Die Komfortzone zu verlassen, bedeutet Disziplin und Selbstkontrolle. Viel zu anstrengend.

Wollen wir vielleicht ständig abgelenkt sein, damit wir nicht nachdenken müssen, damit wir uns nicht bewusst mit Situationen, Problemen oder Menschen auseinandersetzen müssen?


Was bleibt aber dadurch auf der Strecke?


Qualität von Produkten, Dienstleistungen und menschlichen Beziehungen (privat oder beruflich).


Respekt für andere Menschen, Kulturen und unsere Umwelt.


Zeit zu reflektieren und kritische Fragen zu stellen.


Durch mangelnde Aufmerksamkeit denken und verhalten wir uns oberflächlich, nachlässig, leichtsinnig und flach.


Was heißt Aufmerksamkeit?


Aufmerksam sein heißt, gesammelt, konzentriert, bei der Sache sein. Unabgelenkt in etwas vertieft und versunken zu sein.


Es bedeutet auch, interessiert und offenen Auges zu sein, geistesgegenwärtig, wachsam und dabei gleichzeitig stutzig zu sein, zu hinterfragen.


Aufmerksamkeit hat eine weitere Dimension. Aufmerksam anderen Menschen gegenüber zu sein bedeutet, höflich, nett, zuvorkommend, hilfsbereit und rücksichtsvoll zu sein.


Die Frage ist, wie schaffen wir es, mit unserer Aufmerksamkeit auf das für uns eigentlich Wichtigste gerichtet zu bleiben in einer Welt, die uns ständig enorme Mengen an Auswahlmöglichkeiten und Ablenkungen bietet? Eine Welt, in der ein ständiger Wettbewerb um unsere Aufmerksamkeitsspanne besteht. Idealerweise wollen wir aber in der Lage sein, eine momentane Situation mit wachem Verstand zu sehen, zu analysieren und zu beurteilen.


Sucht nach Ablenkung


Ablenkung ist einfach, Aufmerksamkeit ist schwer. Also tendieren wir zur Ablenkung. Dabei hilft natürlich auch, dass die „Ablenkungs-Industrie“ es sich zunutze macht zu wissen, wie das menschliche Gehirn reagiert durch einen simplen kleinen Auslöser auf eine Ablenkung. Wir geniessen es, kurzfristig belohnt zu werden und es wird ein kleiner Sucht-Kreislauf losgetreten. Das beeinflusst im weiteren Verlauf unsere Aufmerksamkeitsspanne, die wir den wichtigen Aufgaben, Entscheidungen, kreativen Prozessen widmen sollten und, vor allem, der Interaktion und Kommunikation mit anderen Menschen, die immer kürzer und oberflächlicher werden.


Worauf möchtest Du zurückschauen?


Möchtest du auf ein Leben zurückschauen, in dem du dich mit den Menschen, die dir nahe stehen oder denen du beruflich oder im Leben begegnet bist, nur oberflächlich, kurzfristig, unaufmerksam ausgetauscht hast?


Oder zurückschauen und feststellen, dass du Projekte, Produkte, Services oder Kreatives erbracht hast, die sich durch mangelnde Qualität auszeichnen, weil du dem jeweiligen Medium nicht ausreichend Aufmerksamkeit widmen konntest?


William James, ein führender Psychologe und Philosoph des 19. Jahrhunderts gibt folgende Beschreibung: Wenn wir auf unser Leben zurückblicken, wird die Gesamtsumme unserer Erfahrungen das sein, worauf wir in unserem Leben unserer Aufmerksamkeit gerichtet haben.


Die Idee eines "Museums unseres Lebens" spiegelt eine ähnliche Idee wider. John Strelecky beschreibt in seinem Buch („Das Leben gestalten mit den Big Five For Life“) die Überlegung, wenn am Ende unseres Lebens ein Museum errichtet würde, das zeigt, wie wir unser Leben gestaltet haben. Worauf haben wir unsere Aufmerksamkeit gerichtet? Auf einen Beruf, der uns Freude bringt oder der uns unzufrieden macht? Sind ausreichend Zeitabschnitte mit den wichtigsten Menschen in unserem Leben im Museum zu sehen? Sehen wir genügend Episoden unserer Hobbies oder der Tätigkeiten, die uns erfüllen?


Die Kontrolle darüber, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten, liegt in unserer Hand. Wie viel Aufmerksamkeit schenken wir welchen Menschen, Situationen und Aufgaben im täglichen Leben?


Die Entscheidung liegt bei uns, ob wir selber das Ruder in der Hand behalten wollen oder es bequem der Ablenkung überlassen, so dass diese die Qualität unseres Lebens bestimmt.

  • Connect with me on LinkedIn
  • Find me on Facebook
  • Get inspired on Instagram
  • Twitter

Impressum         Datenschutz         Kontakt

© 2018 Claudia Brose